Der Neusser Beigeordnete und Sozialdezernent Stefan Hahn hatte einen wunderbaren Geistesblitz. Man könnte doch das „Haus der Jugend“ schließen, um ein bisschen Geld zu sparen. Vielleicht ließe sich mit dem gesparten Geld etwas Sinnvolles in den Neusser Außenbezirken anstellen. Was genau, lässt er offen. Ein Konzept fehlt und es ist zu befürchten, dass es auch keines geben wird.

Nun mag für kulturelle Kurzdenker wie Stefan Hahn, der erst vor zwei Jahren aus dem verschlafenen Wachtenberg bei Bonn nach Neuss zog, das „Haus“ wie eine normale 0-8-15 Jugendeinrichtung wirken, doch da irrt er. Das ‚Haus‘ ist in vielerlei Hinsicht der Mittelpunkt der Neusser Musik und Bandszene. Seit mehreren Jahrzehnten gibt es verschiedenste Musikstile und -gruppen, die sich in Neuss entwickelt haben. Fakt ist und bleibt aber ein notorischer Proberaummangel für Bands in Neuss. Hier bietet das Haus der Jugend nicht nur mehrere Proberäume, sondern auch die Möglichkeit zu Konzerten. Veranstaltungen wie das „Neuss-Now“ Festival sind eine feste Instanz in der Neusser Konzert- und Kulturszene. Das Haus der Jugend bietet aber auch andere Angebote, die von den Ideengebern meist selbst und kostengünstig durchgeführt werden können. Durch die gute Anbindung ist es zu jeder Veranstaltung gut besucht.

Das Haus der Jugend ist mit seinen vielfältigen Angeboten, ein Treffpunkt für alle Jugendlichen aus Neuss und der Umgebung – ein Stück gelebte Neusser Kultur, die auch einen wirtschaftlichen Mehrwert für die Stadt darstellt, sie als Lebens- und Arbeitsort attraktiv macht.
Die Förderung der Jugendkultur in Neuss lässt im Vergleich mit anderen Städten sehr zu wünschen übrig – so brach zum Beispiel in den vergangenen Jahren das Schollhaus als Veranstaltungsort für Konzerte weg, weil es zu Anwohnerbeschwerden kam.

Herr Hahn legt nun die Axt an eines der letzten bedeutenden Fundamente der Neusser Jugendkultur, nur um Geld für den städtischen Haushalt zu sparen.
Von guter Jugendpolitik profitiert die Gesellschaft im Allgemeinen. Neuss ist bunt und vielfältig. Dies gilt insbesondere für die Jugend unserer Stadt. Sie braucht Orte, um sich entfalten zu können, Raum für ihre Interessen und Aktivitäten.

Sollte die Stadtverwaltung unter der Leitung der CDU/FDP weiter an den wirren Plänen ihres Dezernenten festhalten, so gleicht dies einer Kriegserklärung an die Neusser Jugendkultur. Dies sollte den Verantwortlichen bewusst sein. Eine Schließung des Hauses bedeutet einen nicht wiedergutzumachenden Schaden für die Lebensqualität und Attraktivität unserer Stadt.

Aus Leuten, die nur mit dem spitzen Rotstift denken, wächst weder kulturelle, noch politische oder wirtschaftliche Innovation – lediglich Dummheit.

Wenn die Sonne der Kultur tief steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten … (Karl Kraus)

 

Eure Piraten aus Neuss

2 Kommentare

  1. 1

    Das untenstehende Zitat (Wenn die Sonne der Kultur..:“) ist von Lichtenberg und nicht von Kraus. Aber was soll es. Der Unterschied zwischen Nirvana und Bon Jovi ist auch geringer, als manche Pop-Enthusiasten glauben.

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